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Geburtstagsblues In Brssel

Grosammler Antoine de Galbert kann die Augen von den Rabbit Slippers nicht lassen

. Wie eine Schlange umkreist der Carrefour-Erbe und Betreiber des Pariser Kunstzentrums Maison rouge das weie Kaninchenpaar, das am Stand der Brsseler Galerie Rodolphe Janssen auf einem Sockel die Blicke auf sich zieht. Wim Delvoye hat sich zum 30. Geburtstag der Art Brussels einen besonderen Hingucker ausgedacht.

Die kalkulierte Frechheit, das tierische Kunstmotiv als die neueste Pantoffelmode zu prsentieren, findet Anklang, auch wenn

de Galbert nach einem kurzen Sondierungsgesprch abwinkt. Ob es an dem Preis von 65.000 Euro gelegen hat?

Die diesjhrige Jubilumsausgabe htte ein Triumph werden knnen: 182 Galerien wurden ausgewhlt, sieben weniger als letztes


Jahr, die neue Ausstellungsarchitektur wirkt angenehm luftig, die Prsenz hochkartiger Werke stimmungsaufhellend. Unter der

Leitung von Karen Renders schrft die Brsseler Kunstschau sogar ihr Profil als junge Entdeckermesse, was manch ein Neuzugang

beweist. An vorderster Front zwei junge Galerien aus Berlin: Chert Berlin fllt mit Arbeiten der aus Polen stammenden

Bildhauerin Kasia Fudakowski auf, die unter dem Titel For how much longer must we improvise? den Stand mit einem 6.000 Euro

teuren Metallparavent in Schutz nimmt. Zusammengeschweit aus abstrakten Elementen changiert das Gestell zwischen

folkloristischer Toreinfahrt und sptkonstruktivistischem Ornament. Bei der Galerie Tanja Wagner berzeugt die junge

bosnische Knstlerin ejla Kameri auf Anhieb. Auf den Spuren des Balkankriegs taucht sie mit den erst auf den zweiten Blick

aufwhlenden Arbeiten Red Carpet (17.000 Euro) und Bosnian Girl (13.000 Euro) in das blutige Geschehen in Sarajevo ein.

Handgehkelte, bedrohliche Spinnennetze und sexistische Graffiti auf ihrem desillusionierten Autoportrt erzhlen von der

zweifelhaften Rolle, die den UN-Truppen whrend des Konflikts zufiel.

Im Segment Junge Talente gibt es auerdem Platz fr Positionen, die nicht gerade den mitunter poppigen Geschmack der

belgischen Messebesucher bedienen. Der Neuzugang Ellen de Bruijne Projects aus Amsterdam wagt sich mit einer

Soundinstallation der schottischen Turner-Prize-Gewinnerin Susan Philipsz weit vor und sorgt fr einen Hauch von

antimaterialistischer Subversion. Exzentrisch geben sich auch Geukens & De Vil aus Antwerpen. Ihr komplett holzvertfelter

Stand versprht den Charme einer Bio-Holzunterkunft, in der in sich gekehrte Menschenskulpturen von Sofie Muller Schutz

suchen.

Leider kann jedoch der Umstand, dass die Art Brussels zunehmend unter der deutschen Konkurrenz leidet, auch diesmal nicht

durch Entzerrung der Termine entschrft werden. War es letztes Jahr noch das Gallery Weekend Berlin, das dazwischenfunkte

einigen Klnern wie Thomas Zander oder Figge von Rosen immerhin aber die Gelegenheit zur Teilnahme bot glnzt die

Dom-Fraktion diesmal durch Abwesenheit. Der Magnetismus der erstarkten Art Cologne wirkt sich whrend der Preview verheerend

aus. Die Gnge fllen sich erst am Abend, das belgisch-franzsische Sammlervolk bleibt fast unter sich. US-Amerikaner?

Chinesen? Fehlanzeige. Selbst Deutsch hrt man kaum, bis auf einige Knstler wie Tobias Rehberger oder Gregor Hildebrandt,

die der rheinischen Charmeoffensive versprengt Widerstand leisten.

Jan Wentrup bringt es im Gesprch auf den Punkt: Es ist deutlich ruhiger als sonst. Ich bin seit vier Jahren im Komitee der

Art Brussels und habe selbst miterlebt, wie schwer es ist, die drohenden Kontaktverluste abzuwgen. Um unsere wichtigen

belgischen Kufer nicht zu verlieren, haben wir wieder auf Brssel gesetzt. Die deutschen Sammler trifft man aber in Kln.

Einige, die heute schon an unserem Stand waren, nehmen die Art Brussels zwar mit, weil ihnen die Art Cologne zu etabliert

ist, aber an der Lsung des Problems muss unbedingt noch gearbeitet werden. Eine Skulptur von David Renggli konnte Wentrup

dennoch bereits am Vormittag fr 11.000 Euro an einen franzsischen Sammler verkaufen. Einem Belgier war ein neues CD-Bild

von Gregor Hildebrandt 27.000 Euro wert.

In der unteren Halle der Art Brussel bleibt man ebenso gelassen und holte seine Trumpfkarten heraus. Die hier traditionell

stationierten Galerien mit prestigetrchtiger Kunst, in der Mehrheit belgischer Provenienz, geben ihr Bestes. Die Gladstone

Gallery, in Brssel mit einer eleganten Dependance vertreten, geht mit Shirin Neshat, Rosemarie Trockel, Allora & Calzadilla,

Anish Kapoor und Elizabeth Peyton ins Rennen. Die sechsstelligen Preise hlt man fr die Presse selbstbewusst unter

Verschluss. Ebenso verfhrt Xavier Hufkens, dessen Stand von seinen Stammsammlern regelrecht berrannt wurde. Neben der


spektakulren Skulptur Large Hand von Thomas Houseago und einer die Vorzge der Stille preisenden Hommage an Baudelaire von

Louise Bourgeois knnte dies an der groflchig vibrierenden Leinwand SP 195 des US-Amerikaners Sterling Ruby liegen, die

bereits nach wenigen Stunden einen Abnehmer fand.

by: aarenbrowns
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