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subject: Rothko-gemlde Beschmiert "gut, Dass Menschen Schockiert Sind" [print this page]


"Der Mann schlenderte auf das Bild zu, zog einen Filzstift heraus und begann zu schreiben. Als er fertig war, verschwand er wie der Blitz." So schildert Tim Wright die Szene, deren Zeuge er am Sonntag in der Londoner Tate Modern wurde. "Die Tinte lief einfach an dem Bild herunter", so Wright. Das Personal sei "vllig schockiert" gewesen. Eine verstndliche Reaktion, zumal der "modisch aussehende, brtige Typ mit einer Ttowierung am Hals" nicht irgendein Bild bemalt hatte, sondern eines von Mark Rothkos "Seagram Murals".

Der Maler hatte der Tate diese Reihe 1969 geschenkt, sie gilt als ein Highlight der Sammlung. Obwohl das Museum keinen genauen Marktwert angeben kann, ist das verschandelte Stck "Black on Maroon" (1958) zweifellos viele Millionen Euro wert. Rothkos "Orange, Red, Yellow" (1961) hlt mit umgerechnet 66,6 Millionen Euro derzeit den Auktionsrekord fr das teuerste Stck Nachkriegskunst.

Der Text auf dem Bild lautet: "Vladimir Umanets, ein potenzielles Stck Yellowismus". Mittlerweile hat sich ein Mann dieses Namens in der britischen Tageszeitung Independent zu der Tat bekannt. Er ist angeblich auch der Betreiber einer Internetseite, die sich als "oberflchliches Blog" ber Konzeptkunst bezeichnet. Umanets ist demnach ein Vertreter des so genannten "Yellowismus" . "Beispiele fr Yellowismus", so ein Online-Manifest, "knnen wie Kunstwerke aussehen, sind aber keine Kunstwerke. Wir glauben dass der Kontext fr Kunst bereits Kunst ist. Der Kontext fr Yellowismus ist nichts anderes als Yellowismus. Bei yellowistischen Stcken geht es nur um Gelb, nichts anderes."

"Kein Vandale"

Unverstndlich bleibt vor diesem Hintergrund, warum ausgerechnet ein schwarz-rotes Bild mit einem schwarzen Stift bekritzelt wurde. Im Gesprch mit dem Independent sagt der Mann, er sei "kein Vandale". Es sei "gut, dass Menschen schockiert sind" obwohl niemand verstehe, "was da eigentlich in der Tate geschehen" sei. Fr dieses Verstndnis brauche es Zeit. Umanets glaubt, "den Wert des Gemldes eher noch gesteigert" zu haben.

Mit dem gleichen Argument rechtfertigen die Brder Dinos und Jake Chapman die serielle bermalung von Goya-Radierungen. Der Unterschied besteht darin, dass die Chapmans fr ihre vorgebliche Satire auf Appropriation Art die Goya-Werke vorher kauften. Als Robert Rauschenberg 1953 eine Zeichnung Willem de Koonings auslschte, bat er den Knstler um Erlaubnis. Der Tate-Kritzler tat weder das eine noch das andere. Daher darf er, sobald die Londoner Metropolitan Police ihn aufgesprt hat, mit seiner Verhaftung und einer Anzeige wegen Sachbeschdigung rechnen.

Laut ersten Einschtzungen wird sich die Beschriftung auf dem Rothko vergleichsweise leicht entfernen lassen. Dennoch drfte es nun - wie nach der Hammer-Attacke auf ein Portrt Samuel Johnsons in der National Gallery vor fnf Jahren - erneut eine Debatte ber die Sicherheitsvorkehrungen in den Londoner Museen geben.

by: Shasta Bosold




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