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subject: Fest Frs Unglubige Auge [print this page]


Nichts und niemand ist im 20Nichts und niemand ist im 20. Jahrhundert einen lngeren, lustvolleren und ergiebigeren Tod gestorben als die Malerei. Ihr angebliches Ableben ist das produktivste Gercht der jngeren Kunstgeschichte, wirkungsvoll vor allem fr die Malerei selbst.

Denn es waren allenfalls Scheintode, die die Knigsgattung seit der Klassischen Moderne wieder und wieder zu erleiden hatte dieser Tod aber wurde besonders heftig in den 1980er-Jahren als Menetekel an die Wand gemalt, und

paradoxerweise waren es vor allem Maler, nicht Konzeptknstler und andere Ikonoklasten, welche die Agonie ihres eigenen Metiers am besten zu malen imstande waren um zugleich immer auch dagegen anzumalen.

Das ging nur durch ironische Bespiegelung und Brechung sowie die subversive Aushhlung klassischer Werte doch wie rasch ndert sich die Wahrnehmung jener angeblichen Anti-Bilder, die seinerzeit die dialektischen Krfte der

Negation erprobten. Erstaunt stellt man in der umfangreichen Werkschau von Albert Oehlen im Kunstmuseum Bonn fest, wie delikat und kulinarisch sich eine Malerei heute als opulentes Fest fr das Auge darbietet, die doch lange

Zeit etwa blo als Klischee? eher die tiefgreifende Skepsis gegenber sich selbst zelebrierte.

Nicht nur steht der 1954 in Krefeld geborene Knstler mit seiner stattlichen Werkschau in Bonn in einer Ahnenreihe von Malern, die das Museum seit seiner Grndung vor zwanzig Jahren mit beharrlicher und lohnenswerter

Konsequenz zu seinem Programm erhoben hat. Oehlen erscheint hier als Gralshter der Gattung, der noch in seinen jngsten Collagen mit Versatzstcken aus der Werbung die Autonomie der Abstraktion zu wahren wei. Er ist

geradezu ein Klassiker, der in Bonn alle Register der selbsternannten postungegenstndlichen Malerei ziehen kann. Einer Malerei, die sich so die Bonner Behauptung am eigenen Schopf aus dem Sumpf einer historischen

Debatte gezogen hat, um ihre Eigentlichkeit im Modus des Uneigentlichen kenntlich zu machen. Angesprochen ist mit der uneigentlichen Eigentlichkeit nicht zuletzt eine spezifisch rheinische Attitde der 1980er-Jahre, die vor

allem einem Martin Kippenberger zugesprochen worden ist. Doch Albert Oehlen hat sich weniger auf den visuellen oder gar explizit sprachlichen Kalauer gesttzt wie einst Kippy. Er hingegen schpft bis heute aus dem Vollen

eines Stilrepertoires, das die Malerei nach 1945 in Europa und Amerika berliefert hat.

Auch bei den neuesten Arbeiten offenbaren sich berraschende Wahlverwandtschaften mit lteren Semestern. Die Collagen mit lfarbe auf Leinwand und Papier zeichnen sich durch Leichtigkeit und Licht aus. Oehlen zerstckelt

vorgefundene Reklamefotos und figuriert sie als Bildelemente, beraubt sie teils gnzlich ihrer abbildenden Funktion, oder macht sie, wie bei einem monumentalen Campingtisch, zum Gegenstand des Bildes, um ihn jeglicher

Bedeutung zu entkleiden. So oder so verschmelzen Malerei und Fotofragment zu einer schlssigen Einheit ohne ikonografischen Anspruch. In der kontrollierten Geste, dem farbigen Krzel, dem Rinnsal der Farbe, insgesamt im

expressiven Drive geben sich als Vorgnger Willem de Kooning, Cy Twombly oder aber Arnulf Rainer zu erkennen, doch treten sie bei Oehlen weniger als Zitat denn als selbstverstndlich einverleibte Tradition im eigenen Malstrom

auf. Was immer Oehlen aufgreift, er fhrt es einer gezielten Entleerung zu wie auer ihm auch Gnther Frg oder in der jngeren Generation Michel Majerus.

Doch auch bei Oehlen bleibt die Malerei von Anfang an eine stabile Leitwhrung, wie die Bonner Retrospektive unmissverstndlich vor Augen fhrt. Das gilt selbst fr koloristisch khlere Arbeiten aus den 1990er-Jahren: Auf

intelligente Weise bermalt und besprht Oehlen computergenerierte Muster mit quasi-expressiven Lineamenten, oder, nicht minder klug, er malt die Computerkompositionen, die auf einfache Grafikprogramme von Texas

Instruments zurckgingen, von Hand, was sich erst auf den zweiten Blick zu erkennen gibt.

by: aarenbrowns




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