subject: Solitr Im Sammlerland [print this page] Auf der art KARLSRUHE herrscht gelassene Heiterkeit. Auch 2012, zur 9. Ausgabe der badischen Kunstmesse, ist von Hektik keine Spur. Dabei ist die Zahl der Galerien auch dieses Jahr gestiegen: 222 Stnde aus 12 Lndern sind in dem weitlufigen Parcours in vier Hallen untergebracht.
Dass die Messe dabei weniger international ist, scheint den meisten keine Sorgen zu bereiten. Hier passts fr uns perfekt, in Karlsruhe brummts immer, gibt Marc Triebold von Henze & Ketterer verschmitzt zu, der wie jedes Jahr
das teuerste Bild am Stand hat. Fr glatte drei Millionen mchte man die Nchtliche Phantasielandschaft in Grn und Schwarz von Ernst Ludwig Kirchner in den nchsten Tag abgeben. Reserviert wurde sie am Erffnungsabend
jedoch noch nicht.
Eines fllt direkt auf: Deutsches Informel soweit das Auge reicht. Der Stil der Nachkriegszeit hat auf dem sddeutschen Marktplatz Hochkonjunktur steht doch in zwei Jahren K.O. Gtz 100. Geburtstag auf dem Plan. Und so
zeigen einige Topgalerien die derzeit besonders beliebte Flachware: Maulberger & Becker aus Dsseldorf bietet ein Werk von 1953 fr 122.000 Euro an, bei Marianne Hennemann aus Knigswinter, die sich seit nun genau vierzig
Jahren dem Informel verschrieben hat, steht ein kleines Bild auf Karton aus demselben Jahr fr moderate 5.000 Euro zum Verkauf. Sie vertritt zudem Karl Fred Dahmen, der auch ein paar Kojen weiter bei Boissere mehrfach
angeboten wird (Die Kleine Figuration fr 12.500 Euro). Dagegen zeigt Galerie Schlichtenmaier aus dem nur wenige Kilometer entfernten Grafenau Emil Schumachers Leinwand Gagaola von 1963, zuletzt ffentlich ausgestellt in den
1970er-Jahren. Es befand sich bis vor Kurzem noch in der Kunstsammlung Arcandor AG (ehemals Karstadt) nach all den Jahren in Klausur sind nun 360.000 Euro dafr angeschrieben. Vier Verkufe konnte die Galerie bereits in
den ersten beiden Stunden verzeichnen. Sie alle blieben im hiesigen Bundesland: Eine neuere Arbeit (Die Flut II, 2008) des Schweizers und ehemaligen Stuttgarter Akademie Professors Jrgen Brodwolf ging fr 9.400 Euro an eine
staatliche Institution. Schnelles Geschft auch bei der Boesso Art Gallery aus Bozen: Der scheinbar flackernde Op-Art Schaukasten Victor Vasarelys wechselte gleich in der ersten halben Stunde fr 30.000 Euro den Besitzer.
berhaupt, und das ist jedes Jahr garantiert, sind regionale Positionen in erfreulicher Menge zu finden. ber Landesgrenzen jedoch allseits bekannt ist der Kopffler-Knstler Horst Antes. Zu sehen unter anderem bei Deschler aus
Berlin. Galerie Knecht und Burster sind seit dem Messestart 2004 jedes Jahr mit von der Partie und zeigen Kohlezeichnungen von Hans Baschang. Beide Knstler verbindet das Studium bei HAP Grieshaber an der Karlsruher
Akademie Ende der 1950er-Jahre. Am gleichen Stand, in separater, sehenswerter Koje, sind die dster-traumhaften Leinwnde von Simone Lucas (Jg. 1973) zu sehen (Preise zwischen 2.000 und 12.000 Euro).
Hitzige Debatten ber die Forderung aus Brssel, den deutschen Mehrwertsteuersatz fr Kunstverkufe von zurzeit ermigten sieben auf 19 Prozent zu erhhen, werden auf den Messefluren gelassen abgehalten. Wrden die
neusten nderungen der Steuerpolitik eintreten, knnte sich der Handel allerdings schon bald erheblich verndern. Cai Wagner von Wagner + Partner und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Berliner Galerien spricht
klar von Wettbewerbsnachteil: Mssten doch die deutschen Galeristen bereits 3,8 Prozent des Knstlerhonorars an die Knstlersozialkasse abgeben. Wenn der Staat Interesse an der Kultur unseres Landes hat, muss er sich fr
die Frderung einsetzen und den Fluss des Geldes besser steuern. Und dazu gehrt es eben auch, die richtigen Gesetze zu schaffen. Weniger politisch, dafr humorvoll in l prsentiert sich die Serie U8 der russischen Zwillinge
Maria & Natalia Petschatnikov (Jg. 1973) am selbigen Stand 24 U-Bahn-Stationen einer Berliner Linie in all ihren ungeschnten Unterschiedlichkeiten (15.500 Euro).
Ebenfalls in Halle drei, und mit ausnehmend schnen Arbeiten, ist die Stuttgarter Galerie Valentien vertreten. Mit dabei: Realist Volker Bhringer mit seiner Dixschen Krankenschwester (um 1936, 250.000 Euro), dessen kleines wie
groartiges groteskes uvre zu Lebzeiten nur wenig Anerkennung fand. Eine Wand weiter gibt es hingegen schnell einige Interessenten fr die Arbeit Willi Baumeisters von 1951 der Zuschlag liegt bei 285.000 Euro und ist das
teuerste Werk auf dieser Flche. Auch Galerist Rainer Michael Ludorff, zurzeit ebenfalls auf der Armory Show in New York durch den Sohn reprsentiert, hat wieder begehrte Ware mit dabei. Ganze sechs Gerhard Richter-Arbeiten
sind vor Ort, zwischen 69.000 und 450.000 Euro muss man dafr zahlen. Und Grogalerist Michael Werner zeigt auf einem der stattlich angelegten Skulpturenpltze die organisch bunten Filzgebilde von A.R. Penck (Navigator,
1988, 100.000 bis 250.000 Euro). Tatschlich liefern die Stnde unentwegt museal Hochpreisiges. Zwei kuratierte Sonderschauen widmen sich denn allein den Sammlungen Gunter Sachs und Marli Hoppe Ritter whrend Ritter,
von Ritter Sport, bis heute nahezu 800 Arbeiten mit dem Quadrat als Motiv zusammentrug, galt Sachs Aufmerksamkeit der Pop Art als Hommage und Memoriam ist sein Konterfei als Siebdruck von Warhol als Serie groflchig